Gottes Muttersprache ist die Stille. Alles andere ist Übersetzung.

Thomas Keating

Was ist Zentrierendes Gebet?

Zentrierendes Gebet (Centering Prayer) ist eine Methode des stillen Gebets. Die christliche Tradition versteht unter "Kontemplation" ein Ruhen in Gott. Wir suchen die Beziehung zu Gott jenseits von Gedanken, Worten, Konzepten oder Gefühlen. Kontemplation ist kein Geisteszustand, den wir uns durch Meditation erarbeiten, sondern eine reine Gabe Gottes. Das Zentrierende Gebet öffnet uns für diese Gabe, die wir - unabhängig von unseren aktiven Gedanken und unserem Bewusstsein - nicht nur im Gebet, sondern auch mehr und mehr im Alltag erleben. 

Im Zentrierenden Gebet finden wir eine Beziehung zu Gott, und entwickeln zugleich eine Praxis, um diese Beziehung zu vertiefen. Wir öffnen uns der Liebe Gottes, indem wir Gottes Gegenwart und dem Gottes Wirken in uns aufrichtig zustimmen. 


Das Zentrierende Gebet ersetzt andere Arten von Gebet nicht. Vielmehr verleiht es allen Gebeten mehr Tiefe und erleichtert den Übergang von aktiven Formen des verbalen Gebets zu einem empfänglichen Gebet des Ruhens in Gott. Wir öffnen unser Herz und unseren Verstand - unser ganzes Wesen - für Gott. Dabei wissen wir, dass Gott das ultimative Geheimnis bleibt, jenseits von Worten, Gedanken und Gefühlen. 


Das Zentrierende Gebet ist in der christlichen spirituellen Tradition fest verwurzelt, greift auf das Erbe wichtiger geistlicher Lehrerinnen und Lehrer zurück, darunter Johannes Cassian, der anonyme Autor des bekannten Werkes "Die Wolke des Nichtwissens", Franz von Sales, Teresa von Avila, Johannes vom Kreuz, Therese von Lisieux und Thomas Merton. 


Wie beginne ich?

Wenn du dich von der kontemplativen Dimension der christlichen Tradition angezogen fühlst und mit dem stillen Gebet beginnen möchtest, lade dir die Broschüre "Die Methode des Zentrierenden Gebets" herunter. Auf diese kurze Zusammenfassung kannst du immer zurückkommen. Dann lies diese weiterführende EinführungFinde einen Ort, an den du dich zurückziehen kannst und wo du 20 Minuten lang nicht unterbrochen wirst.  Folge den Anweisungen. Mit fortlaufender Übung werden diese Hinweise klarer. Zusätzlich empfehlen wir dir Thomas Keating's Buch "Das Gebet der Sammlung"

So hilfreich Bücher, Webseiten, oder Broschüren auch sind - in unserer Erfahrung is es wichtig, in persönlicher Begegnung mit und von anderen zu lernen. Wenn du Interesse hast, bieten wir gerne eine direkte Einführung an (im Moment über Zoom). Kontaktiere uns einfach.


Wie bleibe ich dabei?

Es braucht Zeit, eine regelmäßige Gebetspraxis zu entwickeln. Häufig bedarf es einiger Anläufe - wichtig ist, immer wieder zum Gebet zurückzukommen. Wie andere spirituelle Disziplinen basiert der kontemplativen Weg auf "Praxis", Lernen und Gemeinschaft

  • Praxis: aus dem englischen "practice", bezeichnet Praxis in diesem Sinne das, was wir tun (ausüben) sowie die Tatsache, dass wir mit jedem Tun üben. Wenn ich mich zum Zentrierenden Gebet hinsetzte, lasse ich immer wieder los: meine Pläne, was mich beschäftigt, Gefühle, etc. Ich öffne mich für Gottes Gegenwart und Handeln in mir. Dabei übe ich jedes Mal, loszulassen, mich zu öffnen, und im Herzen "Ja" zu Gottes Wirken in mir zu sagen. Durch regelmäßiges Wiederholen fällt das Loslassen leichter, und ich merke, wie mein innerer Schwerpunkt sich auch im Alltag verlagert. Zusätzlich zum Zentrierenden Gebet können weitere spirituelle Übungen helfen, unseren kontemplativen Weg zu vertiefen und in den Alltag zu integrieren.
  • Lernen: Als Menschen müssen wir verstehen und den Geist auf dem Weg mitnehmen. Darum ist es hilfreich, sich immer wieder auch geistig mit dem zentrierenden Gebet und dem kontemplativen Weg zu beschäftigen - durch Lesen von Literatur zum zentrierenden Gebet oder von Autoren des kontemplativen Wegs, durch Videos von zeitgenössischen Lehrer:innen, durch Retreats, und/oder im Austausch mit anderen. 
  • Gemeinschaft: Ein wesentlicher Aspekt des kontemplativen Weges ist die Gemeinschaft, in der wir miteinander beten und voneinander lernen, in gemeinsamer Stille und im gegenseitigen Austausch. Wir erleben, dass das gemeinsame Gebet es uns erleichtert, in die Stille zu finden und in der Stille zu sein (auch über Zoom!). Die Verbindung mit anderen gibt uns Rückhalt und unterstützt uns, und ein fester Termin hilft uns, dabei zu bleiben. Wenn du eine Gebetsgruppe suchst, kontaktiere uns einfach.